You found me, Lying on the floor

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You found me, Lying on the floor

Beitrag  Phoenix am Mi 13 Jun 2012, 4:37 pm

Lost and insecure
You found me, you found me
Lying on the floor
Surrounded, surrounded
Why'd you have to wait?
Where were you, where were you?
Just a little late
You found me, You found me


Obwohl es mittlerweile minimalistische Kopfhörer gab, die nur aus kleinen Knöpfen bestanden die man sich ins Ohr steckte, bevorzugte Phoenix immer noch die große, altmodische Variante. Eisblaue Kopfhörer zierten sein Haupt und versuchten die volle Haarpracht zu bändigen. Wie Schmuck saß es auf seinem Kopf, farblich passend zum ebenfalls eisblauen Pulli mit tiefem V-Ausschnitt. Mit dem Lied auf den Lippen, es leise vor sich hinsummend, schritt Phoenix in seinen kniehohen Stiefeln durch die Straßen Shinjukus. Er war auf dem Weg nach Hause, hatte die letzte Vorlesung hinter sich gebracht und wollte sich mit Musik den Weg verkürzen. Sein Geld hatte für's Shuttle mal wieder nicht gereicht, aber ohnehin ging er lieber zu Fuß.
Gerade jetzt, wo überall Schnee auf den Straßen lag, aber nichts mehr vom Himmel fiel. Und hier war der Schnee eindeutig weniger zertrampelt als in Shibuya, so dass Phoenix wohl seit einiger Zeit der einzige war, der hier seine Spuren hinterließ.

Außgestorben wirkte die doch recht breite Straße, aber unweit erkannte er einen halb zugewucherten Parkplatz, auf dem ein paar wenige Glider und Motorräder standen. Klar, hier in Kabukicho war das Amüsierviertel und auch so manch Reicher verirrte sich gerne Mal hier hin, um für wenig Geld viel zu kriegen. Oder diverse Dinge an den Mann zu bringen. Phoenix scherte das nicht. Auch nicht die blutrote, unstet flackernde Schrift names "Dragon Cave". Der Fight Club. In Johnny Walkers Bar war oft die Rede davon. Schnelles Geld verdienen sollte man hier können, aber auch von Toten war immer wieder die Rede. Rein kam jeder, aber raus wohl nicht. Der junge Student hatte nie einen Fuß hinein gesetzt und es auch nicht vor. Er konnte nicht kämpfen und auch in Selbstverteidigung war er nicht geübt. Sein Geld verdiente er da doch lieber mit dem Hacken von SINs oder dem Aushelfen in der Tuning-Werkstatt. In der er schon länger nicht mehr aufgekreuzt war - man brauchte ihn dort gerade nicht.

Und so war seine Lebensqualität um einiges gesunken, auch wenn er seit kurzem neben der abbruchreifen Lagerhalle sogar eine Wohnung besaß, die ihm von seinem Boss aus der Praktikumstelle gesponsort wurde. Nutzen tat er sie jedoch so gut wie nicht. Nur ab und an zum lernen und das hatte er heute nicht vor. Er wollte heim, seinen Instantkaffee trinken und Seojin zu einem Besuch bei Johnnys überreden. Er brauchte neue Aufträge, irgendwas, das mehr Geld in ihre leeren Taschen spülte.
So in Gedanken versunken hörte er das Motorrad nicht, dass sich ihm mit ungebremster Geschwindigkeit von vorne näherte. Als er den Kopf hob, war es schon zu fast spät. Er hörte das Aufbrüllen der Maschinerie und konnte gerade so beiseite springen. Das Höllengefährt erwischte zum Glück nur seinen Mantel. Doch der Schock saß tief. Erkannt hatte Phoenix den Fahrer nicht, der Motorradhelm hatte nur sein eigenes, erschrockenes Gesicht gespiegelt.

Geschockt schnappte Phoenix nach Luft und drehte sich zu dem nun langsamer gewordenen Motorradfahrer um - und explodierte schlagartig. Beschimpfungen der Übelsten Sorte rutschten ihm geschrien heraus. Wie ein Rohrspatz beleidigte er den Fahrer, der in seinen Augen eindeutig zu blöde zum fahren war.
"Willst dich wohl mit mir anlegen? Feige Sau! Lass dich bloß nicht mehr blicken!" Lange hatte sein Ausbruch nicht gedauert und er senkte die erhobene Faust und atmete tief durch. Er wusste nicht, ob der Kerl ihn gehört hatte. So ausgerastet wie er war, war das wohl gut möglich. Jetzt hatte er auch keinen Nerv mehr zum Musik hören, ging an dem Fight Club vorbei und stopfte die Kopfhörer in seine Unitasche. Der Tag schien - wie so viele in letzter Zeit - gelaufen zu sein. Unterbuttern ließ er sich zwar nicht, aber er war deutlich frustriert gerade als sonst, wenn es zu einem solchen Vorfall gekommen wäre. Genervt stapfte er weiter und ignorierte das näher kommende Motorengeräusch. Der Kerl wollte sich wohl entschuldigen? Gut so!

Nur dass Phoenix da falsch gedacht hatte. Kurz bevor der Fahrer ihn erreichte, gab er noch einmal Gas. Der SIN-Hacker wurde regelrecht umgenietet, geriet unter die schwebenden Walzen des Motorrads und wurde einige Meter mitgeschleift. Er konnte nicht einmal schreien. Er fühlte nur großen Schmerz an seinen Oberschenkeln und seinem Kreuz, wo die Walzen ihn erfasst hatten. Auch der Rest seines Körpers schmerzte, die Klamotten halb zerfetzt, seine alabasterfarbene Haut aufgeschürft und blutig. Doch er wurde nicht ohnmächtig, also konnte ihm wohl nichts schlimmeres passiert sein. Ächzend rollte sich der Student auf den Rücken und spürte nun, dass er seinen Arm nicht mehr recht bewegen konnte, ohne vor Schmerz zu heulen.

Da kam erneut ein Schatten über ihn. Der Fahrer war abgestiegen und strahlte eine leise Wut aus. Den Helm hatte dieser mittlerweile abgenommen, war jedoch ein unbekanntes Gesicht für den Kleineren. Immer noch hielt Phoenix die Unitasche umklammert - so oft wie er letzten Monat bestohlen worden war, hatte sich dieser Reflex mittlerweile bei ihm eingebläut. Eigentlich sollte der Langhaarige Angst empfinden, doch der Schock saß zu tief und er sah mit großen Augen dabei zu, wie der grobschlächtige Kerl sich über ihn beugte, ihn am Mantelkragen packte und halb hochzog. Plötzlich konnte Phoenix sich wieder begegnen, irgendwas hatte in seinem Kopf einen Hebel bewegt - wohl der blutrünstige Gesichtsausdruck. Er wollte nicht wissen, was dieser Arsch mit ihm vorhaben könnte. Er reagierte einfach nur, schlug blindlinks zu und dem Motorradfahrer die Unitasche um den Schädel. Der brach, getroffen von Phoenix länglichem Comlink in der Tasche, ohnmächtig über ihn zusammen. Und begrub ihn damit regelrecht unter sich. Stöhnend sackte Phoe auf den Asphalt und rang nach Luft und war zu schwach, sich aus eigener Hand zu befreien. Was für ein verschissener Tag!

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Re: You found me, Lying on the floor

Beitrag  Drogo am Mi 13 Jun 2012, 10:17 pm

Es war ein Tag wie jeder andere auch, zumindest wenn man Drakon war. Der Gigant hatte bis zum Mittag geschlafen, leichte Kost zu sich genommen – er hielt einen strikten Diätplan ein – und war dann zum Training gegangen. Sein Trainer wurde verdammt gut bezahlt, riskierte aber auch immer wieder sein Leben, wenn er mit dem Drachen trainierte. Es war stets mit höllisch scharf geschliffenen Hieb- und Stichwaffen und der Langhaarige schenkte niemandem etwas und wollte auch nichts geschenkt haben.
Seiner Meinung nach wurde man nur durch Erfahrung besser, natürlich auch Anleitung, aber nur der Schmerz durch Unvorsichtigkeit lehrte einen am meisten. Niemand machte denselben Fehler noch einmal, wenn er dadurch sein eigenes Blut roch. Es sei denn man hatte den IQ von einer Scheibe Toastbrot oder das Gedächtnis eines grobmaschigen Netzes.

So wurde es später Nachmittag und Dragon verabschiedete sich per Handschlag von seinem Trainer, der es erstaunlicherweise fertig brachte, ihm tatsächlich noch Neues zu lehren. So ging er duschen, öffnete dafür seine langen Haare und wusch sie auch, er konnte es gar nicht ab, wenn sie nicht gepflegt aussahen. Anschließend zog er sich an, da es heute keinen Kampf geben würde, sondern erst Morgen, entschied er sich für eine schwarze glatte Hose und ein weißes Leinenhemd, welches er halb offen trug.
Seine Haare fasste er nur mit einem Lederband im Nacken zusammen, so dass sie bis kurz vor die Kniekehlen fielen. Sein Vollbart wurde auch mit zwei Bändern untereinander geteilt. Es dauerte nicht lange und er entschied sich Essen zu gehen. Also zog er sich Strümpfe über und seine Lederstiefel an und sog dann eine mit echtem Fell gefütterte Lederweste über. Er mochte Fell, was man in seinem Schlafzimmer gut erkennen konnte.

Jetzt jedoch ging er erst einmal raus, nachdem er sein Büro abgeschlossen hatte und dessen Nebenzimmer, wo Kleidung zum Wechseln und eine Art Ledercouch zum Ausruhen standen. Hier hin nahm er die pets mit, die der Sieger als zusätzlichen Preis bekam und er war nun einmal bisher Sieger gewesen.
Dragon stieg die Stufen runter und trat aus dem Hintereingang, als er das Motorengeräusch hörte. Es war jedoch keine Neugierde, die ihn weiter gehen ließ, sondern Misstrauen. Den gezackten Dolch zog er aus der Lederscheide, die er am Gürtel trug und blieb verborgen stehen, denn normalerweise kam niemand schon um diese Uhrzeit.

Seine dunklen Augen musterten die junge Frau, welche fast umgefahren worden war und mit einem kurzen Grinsen korrigierte sich der 35-Jährige. Es war ein junger Mann wie er an den Beschimpfungen hörten konnte oder eher an der Stimme, die diese wütend aussprach. Amüsiert hörte er zu und steckte den Dolch wieder weg, der so von der längeren Weste verborgen wurde, die er jedoch offen trug. Denn eigentlich hatte er nur zu seinem Fahrzeug gehen wollen, wobei ihm Kälte eh weniger aus machte, er war einfach abgehärtet.

Tja, allerdings hätte der Junge wohl nicht gedacht, dass der Fahrer, den Dragon unter dem Pseudonym Deadly Mountain kannte, zurück kommen würde. Das tat dieser recht dümmliche, aber körperlich sehr starke Kämpfer, denn der ließ sich ebenso gern provozieren wie Dragon selbst. Warnen tat er den Jüngeren nicht, er kannte ihn nicht und selbst wenn doch, hätte es sein können, dass er ihm genauso egal war wie ein Fremder. Die dunklen Augen lagen begierig auf der Szene und ein feines Lächeln umspielte seine Mundwinkel. Es war zwar nicht wirklich spannend, aber doch irgendwie interessant und es war Gewalt – etwas was der Kämpfer schätzte.
Beobachtend sah er zu und natürlich war der massige Kerl noch nicht fertig, was den Jungen jedoch nicht davon abhielt sich zu wehren, als er gepackt worden war. Interessant, doch wirklich.

Mit einem geübten Blick erkannte er die schöne helle Haut des jungen Mannes und mischte sich auch weiterhin nicht ein. Warum auch? Was hatte er davon, wenn er Morgen eh auf ihn treffen würde?
Er hatte genau gesehen, wo der Mann getroffen worden war und welcher Treffer ihn letztendlich ins Reich der Träume befördert hatte. Es wird ein Leichtes sein ihn morgen Abend zu besiegen. Mit einem überheblichen Lächeln trat Dragon aus dem Schatten der Ecke, in der er gestanden und die amüsierende Szene beobachtet hatte.

Wieder fiel ein Schatten auf den Jüngeren, ehe sich zwei bloße muskulöse Arme in sein Sichtfeld begaben. Dragon packte seinen Gegner und spannte die Arme an, weshalb sein Tattoo sich zu bewegen schien, dabei war es nur das Spiel seiner Muskeln darunter.
Er rollte den Mann seitlich runter und gab ihm noch einen kräftigen Stoß mit dem Fuß, damit er noch etwas weiter rollte, ehe er einfach die Hände des Kleinen ergriff und ihn sehr leicht hoch zog. „Kannst du stehen? Du siehst zermatscht aus.“ kam es von ihm, während er eine Hand weiter festhielt, falls der andere umkippen sollte. Er hatte nämlich keine Lust sich noch mal zu bücken.

Nach einer kurzen Musterung, wobei ihm die blauen Augen erst auffielen, nachdem er ungefähr die Hälfte des schlanken Körpers durch die Fetzen gesehen hatte. „Du hättest dich nicht mit dem tödlichen Berg anlegen sollen. Hast Glück, dass du ihn gut getroffen hast. Sonst lägst du dort und zwar ohne zu atmen.“
Falls er nicht doch noch eingegriffen hätte, aber das war nicht sicher.

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